Aerospatiale/BAe Caravelle
Es war 1951, als sich Frankreich dazu
entschloss, ein Komitee (Comité du Materiel Civil) zu gründen, das eine
Designstudie für ein französisches Jet-Verkehrsflugzeug erarbeiten
sollte. Der Jet Airliner sollte bis zu 65 Passagiere und Fracht mit 700
km/h über eine Distanz von 2000 km transportieren können. Sechs
Hersteller brachten Vorschläge ein und am 28.03.1952 wurde dreien der
Zuschlag gewährt: Sud-Ouest, Sud Est und Hurel Dubois.
Pierre Satre (der eigendliche
Caravelle Designer) und sein Team arbeiteten daraufhin an verschiedenen
Vorschlägen. Die X-210 hatte die französischen Atar Triebwerke am Heck
befestigt, wie es später auch bei der DC9 und B727. Die wichtigsten
aerodynamischen Vorteile dabei sind die hohe Stabilität um die
Längsachse und ein ungestörter Luftfluss um die Tragflächen. Außerdem
war im Gegensatz zur Comet oder der Tu-104, an denen die Triebwerke
direkt neben der Kabine an den Flügeln befestigt waren, der
Geräuschpegel in der Kabine viel niedriger. Mit der Entwicklung der
stärkeren Avon R.A. 16 Jet Turbine wurde die X-210 neu berechnet und in
dieser Form 1952 offiziell vom Komitee akzeptiert. Im Februar 1953
begann man mit der Arbeit an zwei Prototypen Dabei diente der eine
Prototyp für Belastungstests und der andere für Statik Tests.
Am 2.07.1953 wurde das Projekt in
S.E.(Sud Est) 210 umbenannt. In den nächsten 20 Monaten wurde weiter in
Tolouse an den Prototypen gebaut. Unter anderem wurde in einem 120.000
m³ großen Wassertank Ermüdungserscheinungen getestet. Air France stellte
Flugpersonal zur Verfügung und De Havilland schickte einige Ingenieure,
die viele Erfahrungen von der Comet
(www.surf.to/Comet)
miteinbrachten. Das ist auch der Grund, daß die Caravelle die gleiche
Nase und ein sehr ähnliches Cockpit Design wie die Comet besitzt. Dafür
mußte die Französische Regierung allerdings ein Vermögen bezahlen.
Am 21.04.1955 wurden die ersten Taxi
Tests durchgeführt und am 27.05.1955 folgte der 41-minütige Jugfernflug.
In den darauf folgenden elf Monaten flogen F-WHHH und später F-BHHH 411
Stunden auf 173 Flügen um das Zulassungsverfahren zu absolvieren.
Im Februar 1956 orderte Air France 12
Caravelles. Im Juni und Oktober 1957 folgten weitere sechs Bestellungen
von SAS und Varig. In diesem Frühling flog der zweite Prototyp auf einer
Promotion Tour in Nord und Süd Amerika 50.000 km um die Welt. So kam es,
daß die Caravelle der erste zweistrahlige Airliner wurde, der den
Atlantik überquerte. Am 02.04.1958 erhielten die Prototypen die
französische Zulassung
Die erste Serien-Caravelle F-BHRA flog
am 18.05.1958. Sie war etwas länger als der Prototyp. Am 02.04.1959
konnte Air France ihre erste Caravelle in Empfang nehmen. Sud Est und
Ouest-Aviation verschmolzen 1957 in Sud Aviation, die Caravelle behielt
aber die SE210 als Bezeichnung
Der erste Linienflug fand am 26.04.1959 mit SAS statt, die den zweiten
Prototypen leasten. Zehn Tage später flog Air France von Paris nach
Istanbul.
Die erste bemerkenswerte Änderung kam
mit der Caravelle III, die nun die stärkeren Avron MK.527 Triebwerke
hatte. Bis auf drei Einheiten wurden alle Caravelle 1 später zur
III-Serie umgebaut. 1960 flogen bereits über 100 Caravelles in allen
Teilen der Welt.
Im Februar orderte United 20 Einheiten der neuen Caravelle 6R. Diese
Serie 6 wurde ab 1961 zur Standardversion. Die 6R hatte nun Umkehrschub.
Die FAA verfügte einige Änderungen, um die Caravelle für die USA
zuzulassen. Die Auffälligsten Unterschiede sind die größeren
Cockpitfenster und das Weglassen der Rückenflosse, in der einige Avionik
untergebracht war. Die 6R Versionen, die nicht für United gebaut wurden
hatten allerdings die Flosse. United stellte die Caravelle im Juli 1961
auf einem Flug von New York nach Chicago vor.
In Europa flogen zu dieser Zeit Caravelles für Sabena, Air France
Alitalia, JAT, SAS, Swissair, TAP und Austrian Airlines, viele davon
waren 6N's, optisch identisch zur III, aber von Avon Mk 531 Triebwerken
angetrieben.
Ab 1964 baute Sud Aviation die Caravelle 10A (mit GE Engines), die an
Sterling, Finnair und Syrian Arab Airlines ausgeliefert wurden. Die
größten Unterschiede waren die erweiterte Flügelfront an der
Tragflügelbasis und die fehlende runde Auswölbung zwischen Seiten- und
Höhenruder. Schon mit der ersten Auslieferung an United hatten alle
neuen Caravelles die größeren Cockpitfenster. Die 10A, auch als
"Caravelle Horizon" benannt wurde nie mit GE Triebwerken gebaut. Das
Serienmodel wurde 10B genannt und flog mit P&W JT8D Engines. Auch wurden
die Kabinenfenster um 20 cm angehoben und eine APU im Heck installiert.
Einige hatten die Rückenflosse und das Flugzeug wurde um einen Meter auf
33.01m getreckt.
Ab 1965 produzierte Sud Aviation die
10R, sehr ähnlich zur 6R, allerdings mit Pratt & Whitney JT8D-7
Triebwerken (wie 737-200, 727 und DC 9). Die Caravelle 10R flog am
18.01.1965 zum ersten Mal. Danach kam die 11R, einer Kombiversion, die
direkt vor dem Flügel auf der rechten Seite eine große Cargotür besitzt.
Diese Version wurde an Air Afrique, Air Congo und Transeuropa
ausgeliefert.
Ab 1970 wurde Sud Aviation Teil von
Aerospatiale. Unter Aerospatiale wurde die Caravelle 12 gebaut, die mit
36,23 m die längste Version darstellt. Mit den stärkeren Pratt & Whitney
JT8D-9 Triebwerken konnte die Caravelle 12 bis zu 140 Passagiere
befördert werden. Erstflug war 1970. Die 12 wurde drei Jahre lang
gebaut, bis die Produktion aller Caravelles eingestellt wurde.
Insgesamt wurden 282 Caravelles in
Toulouse gebaut und ebneten so den Weg für die späteren Airbus-Typen.
In Europa flog die Caravelle noch bis Ende 1996 für Air Provence. In
Südamerika und Afrika fliegen bis heute nur noch 11 Exemplare der
Caravelle Ein Prototyp steht in einer Technik-Schule in Frankreich. Die
einzige noch flugfähige Caravelle in Europa ist eine ex SAS Caravelle
III, die in Stockholm Arlanda auf Sponsoren zur Restaurierung wartet.