Britten-Norman BN2 Islander
Die Geschichte der BN-2 "Islander"
begann 1947 an der DH Technial School, wo sich die Studenten John
Britten und Desmond Norman trafen. Einige Jahre später beschlossen die
zwei Ingenieure, eine Firma zu gründen, die Flugzeuge zur
landwirtschaftlichen Feldbesprühung umrüstet. Britten - Norman Limited
wurde 1955 aus der Taufe gehoben.
Schnell wurde deutlich, dass keine
Flugzeuge am Markt waren, die den Anforderungen entsprachen. Britten und
Norman beschlossen, diese Marktlücke zu nutzen und ein entsprechendes
Flugzeug zu konstruieren. Dieses Flugzeug sollte sehr robust sein, wenig
Wartung erfordern, auf kurzen und unbefestigten Plätzen starten und
landen könnten, preiswert in Beschaffung und Unterhalt sein und ungefähr
10 Personen oder eine entsprechende Frachtladung befördern können.
Die ersten Entwürfe entstanden 1963.
Am 13. Juni 1965 erhob sich die erste BN-2 (den Namen "Islander" erhielt
sie erst an 15. August 1966) zum Erstflug. Die Konstrukteure hatten die
Idee eines robusten Einfachflugzeuges konsequent umgesetzt. Der fertige
Entwurf war ein Hochdecker mit je einem Kolbenmotor Continental IO- 360B
Rolls- Royce mit 157 kW (210PS) unter jeden Flügel. Dieser Antrieb
erwies sich als zu schwach und wurde gegen zwei Lycoming O-549-E mit 194
kW (260 PS) ersetzt. Das Dreibeinfahrwerk war starr. Im kastenförmigen
Rumpf fanden auf fünf bankartigen Sitzreihen der Pilot und bis zu 9
Fluggästen Platz. Das Flugzeug hatte keinen Mittelgang, der Zugang zu
den Sitzen erfolgte durch drei Türen an beiden Seiten des Rumpfes.
Das erste Serienflugzeug flog am
28.August 1966 und erhielt am 10.August 1967 seine CAA Zulassung. Der
Bedarf war groß und schon am 15. September 1969 wurde die hundertste
BN-2 "Islander" ausgeliefert. Ab 1969 wurde die "Islander" in Rumänien
in Lizenz gebaut.
In den folgenden Jahren wurden mehrere
Versionen mit stärkeren Motoren und erhöhten Abfluggewicht vorgestellt.
Eine dreimotorige und verlängerte Version wurde entworfen (siehe BN-2
Mk.III "Trislander"). Außerdem entstand eine militärische Version mit
dem Nahmen "Defender", die für Transport-, Aufkärungs- und
Kampfmissionen ausgerüstet wurde.
Trotz dieses Erfolges geriet die Firma
Britten-Norman 1971 in finanzielle Probleme und mußte Konkurs anmelden.
Die Produktion wurde von der belgischen Fairey - Gruppe übernommen und
in das Werk Gosselie verlegt. Das es diese Probleme gab, kann nicht an
den Flugzeug gelegen haben - die "Islander" erfreute sich großer
Popularität um wurde zu dieser Zeit auch auf den Philippinen in Lizenz
gebaut.
Auch in den siebziger Jahren wurde die
BN-2 weiter verbessert. Am 6.April 1977 startete die mit zwei Turboprop
Lycoming LTP-101 (498kW/600 PS) ausgerüstete BN-2A-41 "Turbo Prop
Islander". Diese Maschine ging aber nie in die Serienproduktion.
Erst 1980 wird mit BN-2T "Turbine
Islander" die BN-2 serienmäßig mit Turboprop Motoren ausgerüstet. Zu
diesem Zeitpunkt ist die Produktion "Islander" aber nicht mehr in
belgischen Händen. Die Fairey S.A. war ebenfalls in finanzielle Probleme
geraten und hatte die "Islander" an die Schweizer Firma Pilatus
verkauft. Am 19.Juni 1978 wurde Pilatus Britten- Norman Limited
gegründet. Die Produktion wurde von Belgien wieder nach Bembrigde in
Großbritannien verlegt.
Am 20.Mai 1982 wurde die 1000. "Islander",
eine BN-2B-21 "Maritime Defender", an die cypriotische Regierung
ausgeliefert.
Ende der neunziger Jahre wechselte die
Firma abermals Ihren Besitzer. Im Juli 1998 wurde Pilatus Britten-Norman
von der Biofarm Inc. übernommen und in Britten-Norman Limited umbenannt.
Aber während die Firma abermals den Besitzer wechselt, wird die "Islander"
heute noch produziert und mehr als 30 Jahre nach ihren Erstflug hat sie
trotz verbesserten Motoren und Ausrüstungen ihr charakteristisches
Aussehen mit der kantigen Rumpfform, den brettförmige Flügeln und den
hochbeinigen, starren Fahrwerk bewahrt.
Mehr als 1500 Exemplare wurden gebaut.
Übrigens - der, laut Guinness Buch der Rekorde kürzeste reguläre
Linienflug zwischen den Orkney Inseln Westray und Papa Westray wird mit
der "Islander" geflogen. Die reguläre Flugzeit ist 1 Minute und 30
Sekunden. Aber ein Pilot soll es schon einmal in 56 Sekunden geschafft
haben.
Text:
Steffen Schiller