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Havilland Comet
Schon im Kriegsjahr 1943 machten sich
in Großbritannien Luftfahrtexperten im sogenannten Brabrazon Committee
Gedanken über die Zivilluftfahrt nach dem Krieg. Das Komitee schlug den
Bau eines zivilen Transportflugzeuges mit Strahlantrieb vor, entweder
als Langstrecken - Postmaschine mit zwei Sitzen für VIP's oder als
Kurzstreckenflugzeug für 14 Passagiere. Nach der Baugenehmigung für de
Havilland im Februar 1945 wurden diese Varianten geprüft, der entgültige
Entwurf zeigte dann eine vierstrahlige Maschine mit 36 Sitzplätzen für
Kurzstrecken.
Die Comet, wie das Flugzeug genannt
wurde, war ein revolutionärer Entwurf. Die Tragflächen wiesen eine
positive Pfeilung von 20° auf und waren fast vollständig als
Treibstofftank genutzt; die vier Turbojettriebwerke vom Typ Rolls-Royce
Ghost 50 und vier Raketenmotoren de Havilland Sprite zur Starthilfe
waren nebeneinander im Flügelansatz untergebracht. Die Druckkabine der
Comet war doppelt so hoch belastet wie bei bisherigen Verkehrsmaschinen,
Klebetechniken Metall auf Metall wurden zum ersten Mal bei stark
beanspruchen Teilen angewandt. Trotz einer bisher unerreichten
Reisegeschwindigkeit von 788km/h war die Überziehgeschwindigkeit der
Comet geringer als bei gleichalten Verkehrsflugzeugen mit Kolbenmotoren.
Am 27. 06. 1949 fand der Erstflug statt, am 21. 04. 1950 wurde der
Prototyp musterzugelassen. Die ersten Serienmaschinen kamen Anfang 1951
zur Auslieferung, am 09. 05. 1951 führte die British Overseas Airways
Corporation (BOAC, heute British Airways) den ersten Linienflug von
London nach Johannesburg (mit Zwischenlandungen) durch.
Die Vorreiterrolle von de Havilland
und der Comet mußte jedoch teuer erkauft werden. Der erste Unfall mit
einer Comet fand schon Ende 1952 statt; bis zum Startverbot im Januar
1954 folgten drei weitere, bei denen sämtliche Passagiere und
Besatzungsmitglieder ums Leben kamen. Nach kleineren Modifikationen
wurde der Betrieb wieder aufgenommen, nach einem weiteren Totalverlust
im April 1954 jedoch wieder eingestellt. Genaueste Untersuchungen am
Rumpf einer abgestürzten Maschine und Versuche an einem fertiggestelltem
Flugzeug waren erschreckend. Nach 1830 simulierten Flügen explodierte
der Rumpf aufgrund von Materialermüdung und Spannungsrissen an einem
Antennenausschnitt! de Havilland hatte entgegen der üblichen Praxis
rechteckige Ausschnitte für Fenster und Anbauten verwandt, diese
erwiesen sich in Kombination mit einer schwachen Außenhaut als
Schwachstelle. Fast alle bisher ausgelieferten Comet 1, 1A und 2 wurden
zurückgenommen und entweder umgebaut, verschrottet, oder zu Testzwecken
verwandt. Die umgebauten Maschinen flogen später bis 1967 in
militärischen Diensten.
Das Programm (und die Firma de
Havilland) waren durch die Probleme mit der Comet stark gefährdet. Die
Reputation der Firma hatte stark gelitten, das neue Modell Comet 3 mußte
sich 1955 gegen die inzwischen eingesetzte Boeing 707 und DC-8
durchsetzen. Erstaunlicherweise vertrauten die Fluggesellschaften weiter
der Comet, nach 1955 kamen Bestellungen u.a. aus England, Südamerika,
Afrika, Asien, USA, Kuwait und von König Ibn Saud von Saudi-Arabien. Die
Comet 3 und in noch größerem Maße die Comet 4B und 4C waren deutlich
größer und leistungsfähiger als die ersten Modelle, die bis Ende der
50'er Jahre gebaute Comet 4C konnte auf Strecken von 5.391km bis zu 119
Passagiere befördern. Werbewirksam war die Comet 4 das erste
Passagierflugzeug mit Strahlantrieb, dass im Liniendienst den Atlantik
überquerte, 22 Tage vor den Boeing 707.
Die Comet wurde von den
Fluggesellschaften geschätzt und war bei Passagieren beliebt. BOAC
verkaufte bis 1965 kein einziges Flugzeug, die unabhänigige britische
Fluggesellschaft DAN-AIR besaß Anfang der 70'er Jahre nur Comet. Selbst
nach der Ölkrise von 1973 flog die Comet bei EgyptAir; 1975 waren noch
17 Comet (von insgesamt 113 gebauten) bei DAN-AIR registriert, die vor
allem im Kurzstrecken-Charterflugverkehr eingesetzt wurden. Kurz darauf
wurden jedoch die letzten zivilen Comet aus dem Verkehr genommen,
Maschinen des britischen Luftfahrtministerium flogen jedoch noch länger.
Eine auf der Comet basierende, von Hawker Siddeley entwickelte
Militärmaschine (Nimrod) für Seeaufklärung, U-Boot Jagd und Frühwarnung
flog jedoch bis in die 90'er Jahre. Heute (2001) ist keine Comet mehr
flugtauglich, ein Exemplar ist im Luftfahrtmuseum Duxford (GB) zu
besichtigen.
Text: Dirk Schlevoigt
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