Douglas DC-9
Schon in den letzten Wochen des
Zweiten Weltkrieges wurden Flugzeuge mit Strahltriebwerken eingesetzt,
aber in den ersten 10 Jahre nach den Kriege wurde die zivile Luftfahrt
von den großen viermotorigen Propellerflugzeugen mit Kolbenmotoren
beherrscht (z.B. DC-4,DC-6, DC-7 und die Lockheed Constellation-Serie).
Erst Mitte der fünfziger Jahre waren die Turbinen sicher, zuverlässig
und sparsam genug geworden, um Passagierflugzeuge eingebaut zu werden.
Die Comet, die Boeing-707, die DC-8
und die weniger erfolgreiche Convair CV-880/990 übernahmen ab Ende der
fünfziger Jahre langsam die Langstreckenverbindungen. Die Turbine
überzeugte mit ihren Leistungen Fluggäste, Piloten und
Fluggesellschaften. Man verlangte nach schnellen Turbinenflugzeugen für
die Kurz- und Mittelstrecken. Mit der Sud Aviation Caravelle und der BAC
One-Eleven waren schon europäische Kurz- und Mittelstrecken-Jets im
Angebot, aber der schnell wachsende Markt hatte genug Platz mit für mehr
und besseren Flugzeuge.
Anfangs schien es aber nicht so, daß
der Markt auf die DC-9 gewartet hätte. Als der Flugzeughersteller
Douglas Commercial (daher der Name DC) 1959 mit den ersten Vorschlägen
an die Fluggesellschaften herantrat, reagierten diese ablehnend. Douglas
ging das Risiko dennoch ein und begann ohne feste Bestellung ab 1963 mit
der Entwicklung der DC-9.
Der Erstflug fand am 25.02.1965 statt.
Die Zulassung erhielt die DC-9 am 23.11.65 und der Erstkunde Delta
Airlines begann den Flugverkehr am 08.12.1965. Viele andere Fluglinien
folgten, denn bis zur Einführung der Boeing-737 gut 2 Jahre später war
die DC-9 praktisch ohne Konkurrenz.
Die DC-9 hat die damals sehr populären
Form des Tiefdeckers mit an beiden Seiten des Hecks angebrachten
Triebwerken. Vorteil dieser Konfiguration ist der aerodynamisch
"saubere" Flügel. Außerdem ist das Flugzeug durch den geringen Abstand
der Triebwerke vom Rumpf beim Ausfall eines Triebwerks leichter zu
beherrschen.
Der Nachteil dieser Konstruktion ist,
daß bei unter dem Flügel montierten Triebwerken diese direkt vom Flügel
getragen werden, während bei am Heck angebrachten Triebwerken ein
erhebliches Gewicht über den Rumpf getragen werden muß, was eine
zusätzliche Verstärkung (und damit ein höheres Gewicht) des Rumpfes
erfordert. Und da sich die Treibstofftanks normalerweise in den Flügeln
befinden, ist die Treibstoffversorgung bei Flugzeugen mit unter den
Flügeln hängenden Triebwerken einfacher. Alle DC-9 werden mit
verschiedenen Versionen des Pratt & Whitney JT8D Strahltriebwerkes
angetrieben.
Das Leitwerk hat eine T-Form mit auf
dem Seitenleitwerk liegenden Höhenleitwerk. Die schlanken Flügel sind
relativ weit hinten angebracht. Die im Bug und in den Flügeln montierten
Fahrwerksbeine mit Zwillingsbereifung sind kurz und dadurch ist der
Gepäckraum ohne Hilfsmittel zu erreichen und zu beladen. Die DC-9
verfügt über eigene Passagiertreppe und kann damit auch auf schlecht
ausgerüsteten Flugplätzen abgefertigt werden.
In der Economy Class ist eine
Sitzanordnung von 5 Sitzen pro Reihe üblich, die First Class hat 4 Sitze
pro Reihe. Die Besatzung besteht aus zwei Piloten plus Flugbegleitern.
Die DC-9 wurde in 5 Basisversionen
gebaut. Die Grundversion DC-9-10 war 31,8 Meter lang und konnte 90
Passagiere befördern.
Die DC-9-20 ist trotz ihrer
Numerierung die 4. Version. Sie ist eine Spezialversion für hoch
gelegene Flugplätze oder Flugplätze mit kurzer Startbahn. Der Rumpf
stammt von der DC-9-10, während die Flügel und die Triebwerke von der
DC-9-30 übernommen wurden. Die erste DC-9-20 wurde im Dezember 1968 in
Dienst genommen.
Die wichtigste Version ist die
DC-9-30. Der Rumpf wurde auf 36.3 Meter verlängert und bot nun bis zu
115 Passagieren Platz. Triebwerke und Flügel wurden verbessert.
Der Flugbetrieb beim Erstkunden
Eastern Airlines begann im Februar 1967. Die DC-9-40 wurde nach den
Forderungen der skandinavischen Fluglinie SAS entworfen. Der Rumpf wurde
auf 38.8 Meter verlängert. Mit der DC-9-40 konnten bis zu 125 Passagiere
befördert werden. SAS begann den Flugbetrieb im März 1968.
Die DC-9-50 wurde nur in geringen
Stückzahlen produziert. Die auf 40.7 Meter verlängerte Version konnte
bis zu 139 Passagiere aufnehmen und begann ihren Flugbetrieb im August
1975.
Die Produktion der DC-9 lief bis
Oktober 1982. Es wurden 976 Flugzeuge gebaut. Schon 1979 flog die DC-9
Super 80, die bald in MD-80 umbenannt wurde und die Grundlage der
erfolgreichen MD-80 Serie bildete. (MD kommt von McDonnell Douglas -
Douglas Commercial und McDonnell Co. hatten bereits 1967 fusioniert.)
Die DC-9 wurde und wird von
zahlreichen Fluglinien eingesetzt, z.B. von Eastern Airlines, US Air,
Air Canada, Northwest Airlines, Delta Airlines und TWA. In Europa flog
die DC-9 unter anderem für Austrian Airlines, Swissair, Alitalia und die
KLM. Iberia stellte seine letzten DC-9 erst Mitte 2001 außer Dienst und
Finnair und SAS flogen zu diesem Zeitpunkt noch einige Maschinen. Auch
das Militär kaufte die DC-9. Insgesamt 47 Maschine wurden an die USAF,
die U.S. Navy und das U.S. Marinecorps geliefert wo sie als
Transport-(C-9B und C) und Sanitätsflugzeuge (C-9A Nightingale) noch
immer aktiv sind.
Ein unbestimmte Anzahl DC-9 ist auch
heute noch im Einsatz. Im Passagierverkehr werden zwar immer weniger
DC-9 fliegen, aber als Frachtflieger werden gebrauchte DC-9 noch einige
Zeit im Einsatz sein.
Auf die typische DC-9 Silhouette
brauchen ihre Fans aber auch in fernerer Zukunft nicht verzichten. Mehr
als 2300 DC-9 und MD-80/90 wurden ausgeliefert und unter dem Nahmen
Boeing-717 wird eine Nachfolgeversion der DC-9 von dem ehemaligen
Konkurrenten Boeing auch noch im neuen Jahrtausend gebaut.
Text: Steffen Schiller