Die US-Luftwaffe und Boeing begannen am 13.
Dezember 1954 mit Vertragsverhandlungen, die am 30. September 1955 in
einen ersten Produktionsvertrag für die KC-135A mündeten: Boeing
verpflichtete sich, 29 Maschinen für je 6,82 Millionen US-Dollar zu bauen.
Dazu kamen unter anderem 15,66 Millionen für die Erstausstattung an
Ersatzteilen, 1,16 Millionen für Handbücher und technische Dokumentation
und 1 Million für einen zusätzlichen Rumpf für statische Tests. Der
Ausstoß sollte 13 Flugzeuge pro Monat in Renton betragen, die Abnahmeflüge
sollten auf der
Larson Air Force Base
stattfinden. Der tatsächliche Preis betrug im Oktober 1958 schließlich
7,48 Millionen Dollar pro Flugzeug.
Am 5. Juni 1956 folgte der zweite Vertrag über 68
Tanker, 20 weniger als im August 1954 geplant. Weitere acht Verträge bis
1964 summierten die Bestellungen alleine für das A-Modell auf 810
Maschinen, von denen letztlich 732 gebaut wurden.
Rollout und Erstflug
Beim feierlichen
Rollout wurde die
erste Serienmaschine einer KC-135A am 18. Juli 1956 in Boeings Werk
Renton der
Öffentlichkeit vorgestellt. Die Ehefrau von Rentons Bürgermeister Joseph
R. Baxter taufte den neuen Tanker (USAF-Kennung 55-3118) mit einer Flasche
Wasser aus dem nahen
Cedar River auf den
Namen City of Renton. Wenige Minuten vor der ersten KC-135 hatte
auch die letzte von insgesamt 888
C-97 die Werkshalle
verlassen. Die Dash 80 und eine B-52 überflogen anschließend zum Gruß die
Veranstaltung.
Nach einigen Bodentests startete die KC-135A am
31. August 1956 zu ihrem
Erstflug, der eine
Stunde und 19 Minuten dauerte. Einen Prototyp mit der Bezeichnung XKC-135
oder YKC-135 gab es nicht, da Boeing die meisten Vorserientests mit der
367-80 durchführen konnte. Die US Air Force übernahm die 55-3118 am 24.
Januar 1957 und flog sie für weitere Tests zur
Edwards Air Force Base.
Tests und
Flugerprobung
Nachdem in den Jahren 1953 und 1954 mehrere
Comet-Passagierjets
wegen
Materialermüdung
abgestürzt waren, ordnete die US-Luftwaffe im Oktober 1955 an, den
KC-135-Rumpf durch
hydrostatische
Tests besonders zu untersuchen. Boeing entnahm dafür den achten Rumpf
(ohne Seriennummer) aus der laufenden Fertigung und versenkte ihn in einem
1,6 Millionen Liter Wasser fassenden Tank. Durch Erhöhen und Absenken des
Innendrucks wurden verschiedene Flugphasen nachgestellt. 14 hydraulische
Stempel simulierten äußere Einflusse wie Windböen und Steuerkräfte. Ein
Testzyklus repräsentierte dabei sechs Flugstunden. Nach 12.155 Zyklen
(entsprechend 72.930 Flugstunden) traten Ende 1957 erste Risse in der
Außenhaut auf. Die Schwachstellen wurden bei bereits ausgelieferten
Flugzeugen verstärkt und die Serienproduktion angepasst.
Die Flugerprobung der KC-135A in den Jahren 1957
und 1958 zeigte gegenüber den bisherigen KC-97-Tankern erheblich
verbesserte Flugleistungen. So stieg die Flughöhe zur Luftbetankung von
rund 5.500 Meter (18.000
Fuß) nun auf die
Einsatzhöhe der strategischen Bomber von rund 10.700 Meter (35.000 Fuß).
Die maximale Einsatzhöhe lag bei 12.000 m, die Steigrate betrug 671 Meter
pro Minute, das maximale Startgewicht 134,7
Tonnen. Die neue
Stratotanker konnte mit 100.000 Liter fast doppelt soviel Treibstoff im
Flug übergeben wie eine KC-97F (56.700 l), bei einer Transferrate von bis
zu 3.400 Liter pro Minute.
Daneben traten aber auch einige Probleme zutage,
deren Lösung sich teilweise über Jahre hinzog. Die mangelhafte
Steuerbarkeit des Tankauslegers konnte Boeing recht schnell durch eine
hydraulisch
unterstützte Steuerung beheben. Als hartnäckiger erwies sich die
unzureichende Stabilität um die
Hochachse. Sie
äußerte sich in hochfrequentem Flattern der
Seitenflosse bei
Geschwindigkeiten oberhalb von 0,8
Mach und in
Pendelbewegungen des Hecks (Dutch
Roll) vor allem beim Langsamflug. Abhilfe
sollte eine Versteifung des Seitenleitwerks und ein
Gierdämpfer
bringen, der vom ohnehin vorgesehenen
Autopilot
angesteuert wird. Dieses System des Typs Lear MC-1 litt aber selbst unter
massiven Entwicklungsproblemen, so dass die ersten Serienmaschinen ohne
Autopilot – und also ohne Gierdämpfer – ausgeliefert wurden und auch in
den nachfolgenden Jahren immer wieder Nachbesserungen nötig waren. Ab 1962
überarbeitete Boeing nochmals das Seitenleitwerk: Die Höhe wuchs um rund
einen Meter, das
Seitenruder erhielt
eine größere Fläche und eine hydraulische Kraftverstärkung.
Größtes Manko der Stratotanker war aber die
geringe Antriebsleistung. Je nach atmosphärischen Bedingungen benötigte
die vollbeladene KC-135A mit den serienmäßigen Triebwerken
J57-P-43W mit
Wassereinspritzung
eine Startrollstrecke von 2.800 bis 3.300 Meter – eine Bahnlänge, die
längst nicht jeder
Luftwaffenstützpunkt
der USAF vorweisen konnte. Bei einem Triebwerksausfall während des Starts
und einem Startgewicht über 119 Tonnen war ein Startabbruch nötig. Die
Folge waren Gewichtsbeschränkungen, bis die KC-135-Flotte ab 1982 mit
stärkeren
Turbofantriebwerken
zu E- und R/T-Modellen aufgerüstet wurde.
Technik
Rumpf und Leitwerk
Frachttür und Einstiegsluke einer KC-135A
Die KC-135 ist ein vierstrahliger
Tiefdecker mit 35°
gepfeilten
Tragflächen und konventionellem Heckleitwerk.
Der 39,3 m lange fensterlose Rumpf ist komplett druckbelüftet und
unterteilt sich in das Hauptdeck mit
Pilotenkanzel,
Laderaum sowie einem Gepäckabteil und dem Unterdeck, in dem sich der
Einstiegsbereich im Bug, drei Treibstofftanks, die Fahrwerksschächte,
Einspritzwassertank (nur A- und Q-Version) und im Heck das Abteil des
Tankausleger-Bedieners befindet. Der Laderaum misst 24,7 m in der Länge,
3,28 m in der Breite und 2,11 m in der Höhe und bietet rund 170 m³ Raum
für sechs Standardpaletten
des Typs 463L und maximal 37,6 t Fracht. Die KC-135A bot 80 Sitzplätze
entlang der Seiten, was durch eine zusätzliche Doppelsitzreihe auf 160
Plätze gesteigert werden konnte. Bei der KC-135R finden standardmäßig 37
Personen im Laderaum Platz. Nach einer Umrüstung für
MedEvac-Einsätze
passen bis zu 44 Patienten auf Krankentragen hinein. Zur Beladung dient
eine 2,97 m breite und 1,98 m hohe nach oben öffnende Frachttür auf der
linken Seite vor dem Tragflügel. Eine Bug- oder Heckladeklappe hat die
KC-135 nicht, so dass die Fracht mit Gabelstapler oder
Hebebühne auf drei
Meter Höhe gehievt werden muss.
Die Tragflügel bestehen wie der Rumpf überwiegend
aus Aluminium und haben eine Spannweite von 39,88 m und eine Fläche von
226,0 m², woraus eine
Streckung von 7,0
resultiert. Sie haben je ein Querruder für niedrige und hohe
Geschwindigkeiten,
Störklappen und
Landeklappen.
Vorflügel rüstete
Boeing erst ab 1959 nach, dadurch verbesserte sich die
Überziehgeschwindigkeit
um elf km/h.
Das
Fahrwerk besteht
aus einem Bugfahrwerk mit zwei Rädern und zwei Hauptfahrwerksstützen mit
je vier Rädern unter dem Mittelrumpf.
Zur Besatzung gehören Pilot, Kopilot, Navigator
und Auslegerbediener. Nachdem seit Mitte der 1990er-Jahre die KC-135 im
Rahmen des Umrüstungsprogramms Pacer CRAG (CRAG für Compass,
Radar,
GPS) moderne
Navigationshilfen und ein
digitales Cockpit
erhielten, entfiel der Arbeitsplatz des Navigators.
Antrieb
Die KC-135 wird von vier
Strahltriebwerken
angetrieben, die einzeln an
Pylonen unterhalb
der Tragflügel befestigt sind. Dabei kamen bislang drei verschiedene Typen
zum Einsatz: J57, TF33 und F108.
Das Ende der 1940er-Jahre für die
Boeing B-52
entwickelte
Pratt & Whitney J57
ist ein Turbojettriebwerk der zweiten Generation. Die ersten drei KC-135A
erhielten das J57-P-29 mit einer Leistung von 47
kN, die nächsten 26
das J57-P-31W. Dieses ersetzte Boeing noch 1956 durch das modernere, auch
von
Ford hergestellte
J57-P/F-43W (50 kN). Wegen mangelhaft geschmiedeter Titanschaufeln musste
es ab Oktober 1956 durch das 180 kg schwerere, aber auch 100.000 Dollar
billigere J57-P/F-59W (50 kN) ausgetauscht werden, mit dem fortan alle
KC-135A, -D und C-135F ausgestattet wurden.
Die Triebwerks-Zapfluft
dient zum pneumatischen Anlassen der Motoren, zur Enteisung und sie
versorgt die Klimaanlage und die Pumpen der
Wassereinspritzung.
Durch diese Einspritzung konnte der Schub je Triebwerk beim Start um rund
10 kN gesteigert werden. Der Tank für das
demineralisierte Wasser
befand sich im Rumpf zwischen den Hauptfahrwerksschächten und fasste 2.536
Liter, was für maximal zwei Minuten Einspritzung reichte. Das System war
umständlich und teuer. Sank die Temperatur am Boden unter -7 °C, musste
das Wasser abgelassen werden. Fiel die Wassereinspritzung während des
Startlaufs bei einem Triebwerk aus, blieb wegen des asymmetrischen Schubs
oft nur der Startabbruch. Vor dem nächsten Start musste der Wassertank
erst wieder aufgefüllt werden. In den 1950er-Jahren kostete das
aufbereitete Wasser beinahe so viel wie das Flugbenzin und musste auf
abgelegenen Basen erst aufwändig hergestellt oder herbeigeschafft werden.
Mit der Einführung des TF33, der militärischen
Version des
Pratt & Whitney JT3D,
ab 1981 konnte die Wassereinspritzung entfallen, da die
Turbofans eine bis
zu 30 % höhere Schubleistung erbringen als die J57. Die KC-135B erhielten
das TF33-P-9 mit 71,4 kN, die KC-135D und -E übernahmen gebrauchte JT3D-3B
(TF33-PW-102, 80 kN) von zivilen
B707. Nur letztere
haben
Schubumkehr.
Das F108, so die militärische Bezeichnung des
CFM56-2, treibt die
KC-135R und -T sowie die C-135FR seit 1982 an. Die Turbofantriebwerke mit
hohem
Nebenstromverhältnis
sind mit 98,5 kN nochmal wesentlich stärker als die TF33 und erfüllen
modernere Anforderungen an Lärm- und Abgasemissionen. Während des
Umrüstungsprogramms von September 1981 bis Juni 2005 stattete Boeing 420
KC-135 der US-Luftwaffe sowie 14 für Frankreich, sieben für die Türkei und
vier für Singapur mit F108 aus.
[3]
Standard-Treibstoff
der Stratotanker war zunächst JP-4, bis die Luftwaffe es in den
1990er-Jahren durch
JP-8 ersetzte.
Alternativ kann das JP-5 der Marine oder ziviler Kraftstoff (JET A, A1/Kerosin
und B) verwendet werden.
Tankanlage
Die Stratotanker besitzt insgesamt zehn
Treibstofftanks, je drei in den beiden Tragflügeln (8.660 Liter, 7.825 l
und 1.650 l Reserve), einen im Unterdeck zwischen den Flügeln (27.670 l),
je einen im Unterdeck vor (21.980 l) und hinter den Tragflächen (24.285 l)
sowie einen auf dem Hauptdeck, am Ende des Frachtraums (8.265 l). Ist der
Tank auf dem Hauptdeck nicht installiert, dürfen nur drei der vier Zellen
des vordersten Tanks (mit dann 17.060 l) befüllt werden, um den
Schwerpunkt des Flugzeugs nicht zu weit nach vorne zu verschieben.
Zusammengerechnet kann eine KC-135R also maximal 118.470 Liter Treibstoff
aufnehmen und bis auf eine Reserve von rund 2.300 l auch wieder in der
Luft abgeben. Bei der A-Version lag die Gesamtkapazität bei 113.560 Liter.
Der Kraftstoff kann zwischen allen Tanks umgepumpt werden, nur die KC-135Q
hatte zwei getrennte Kraftstoffsysteme, um Spezialtreibstoff
transportieren und übergeben zu können. Acht KC-135 können selbst in der
Luft betankt werden, da sie früher für Spezialeinsätze benutzt worden
waren. Die Einfüllöffnung liegt an der Stirnseite über dem Cockpit.
Der Ausleger für die Betankung anderer Flugzeuge
befindet sich unterhalb des Hecks. Die Betankung wird von einem Abteil am
Ende des Unterdecks aus durchgeführt. Hier liegt der Auslegerbediener
bäuchlings auf einer Pritsche und kontrolliert die Lage des Tankauslegers
mit der rechten Hand und seine Länge mit der linken.
Betankungsbehälter mit Schlauch und
Trichter
Dieser Flying Boom besteht aus zwei
ineinander geschobenen Rohren, deren Gesamtlänge dadurch teleskopartig
zwischen 8,5 und 14,3 m variiert werden kann. Der Innendurchmesser der
Treibstoffleitung beträgt rund 10 Zentimeter. Die Steuerung erfolgt über
zwei Ruderflächen (ruddevators), die sich mit hydraulischer
Unterstützung bewegen. In Ruhestellung liegt der Ausleger am Heckkonus des
Rumpfes an, in der typischen Betriebsstellung ist er um 30° nach unten
geneigt und auf 12,2 m ausgefahren. Bewegungen von 30° zu beiden Seiten
und bis 50° nach unten sind möglich. Verschiedene Markierungen und
Lichtzeichen signalisieren dem Piloten des Empfängerflugzeuges die
richtige Position für den Kontakt. Hat der Auslegerbediener den
Einfüllstutzen des Empfängerflugzeuges getroffen, wird die Verbindung
mechanisch verriegelt und der Betankungsvorgang über elektrische Kontakte
nach den Vorgaben (Menge, Pumpleistung) gestartet. Die Transferraten
liegen zwischen 570 und 1.700 Liter pro Minute für
Kampfflugzeuge und
andere kleine Maschinen und bei bis zu 3.400 l/min für große Transporter
und Bomber, bei einem Druck von 3,5
bar. Das Tanken
dauert wenige Minuten beispielsweise bei einer
F-16 Fighting Falcon
oder bis über eine halbe Stunde bei einer
C-5 Galaxy.
Installation des Schlauchadapters am
Tankausleger einer KC-135E
Über den Flying Boom kann umgekehrt auch die
KC-135 von einem anderen Flugzeug aus betankt werden, was in Notfällen
schon mehrfach vorkam, ebenso wie die Verwendung des Tankauslegers als
„Abschleppstange“.
20 Exemplare der moderneren KC-135R besitzen seit
Mitte der 1990er-Jahre Halterungen für je zwei externe
Betankungsbehälter
Mk 32B-753 des britischen Herstellers
Flight Refuelling Ltd.
Die 4,4 Meter langen Behälter mit einem Durchmesser von 0,9 m können bei
Bedarf an der Unterseite der Tragflächenenden angebracht werden. Sie
beherbergen eine Schlauchtrommel, die den Schlauch mit Fangtrichter auf
eine Länge von 24 m abwickelt. An der Spitze des Behälters befindet sich
eine
Staudruckturbine
mit zweiblättrigem
Repeller, der die
Kraftstoffpumpe und Winde antreibt, so dass das System wenn nötig auch
unabhängig von der Stromversorgung der KC-135 arbeiten kann. Die
Pumpleistung beträgt 1.500 Liter pro Minute. Eine mit diesem Multipoint
Refueling System (MPRS) ausgerüstete Stratotanker kann ihren
Treibstoff während eines Einsatzes sowohl mit starrem Ausleger an andere
USAF-Flugzeuge weitergeben als auch mit Schlauchausleger an Flugzeuge der
US-Marine/US
Marine Corps und der
NATO. Zur Betankung
dieser Flugzeugtypen mit Tanksonde kann außerdem an den starren Ausleger
aller KC-135 ein Schlauchadapter montiert werden (Boom Drogue Adapter,
BDA).
Varianten
Überblick
KC-135A
Die KC-135A ist die ursprüngliche Version der
Stratotanker und die einzige neu gebaute Tankerversion für die
US-Luftwaffe. Von Anfang 1956 bis Ende 1964 produzierte Boeing 732
Exemplare in 27 Blöcken. Abgesehen von den Testflugzeugen übernahm die
USAF die erste Maschine am 28. Juni 1957 für die 93. Luftbetankungsstaffel
auf der kalifornischen
Castle Air Force Base,
wo die Ausbildung der Besatzungen stattfand. Ende desselben Jahres stellte
die Luftwaffe die ersten KC-135 für reguläre Einsätze in Dienst. Das
letzte A-Modell (USAF-Kennung: 64-1480) erreichte am 12. Januar 1965 seine
Einheit.
Etliche KC-135 wurden im Laufe der Jahre zu einer
Vielzahl von Varianten umgebaut, darunter JKC-135 und NKC-135 für Tests,
EC-135A und -L als
luftgestützte Kommandoposten und
Relaisstationen und
RC-135 für
Aufklärungszwecke. Für den Transport und die Weitergabe von speziellem
Treibstoff für die SR-71 und ihrer Vorgänger entstanden zwischen 1961 und
1967 insgesamt 56 KC-135Q.
Ab 1981 ließ die Luftwaffe die meisten KC-135A
modernisieren. Rund 160 Maschinen erhielten leistungsfähigere
Turbofantriebwerke des Typs TF33 und anschließend die Bezeichnung
KC-135E. Etwa 345 Exemplare wurden von 1982 bis 1995 unter anderem mit
F108-Turbofans zu KC-135R aufgerüstet.
Insgesamt vier KC-135A nutzte die US-Luftwaffe ab
1960 gemeinsam mit der
NASA für
Parabelflüge zum
Astronautentraining und für Experimente in der Schwerelosigkeit. Die
Maschinen erhielten ein gepolstertes Hauptdeck, das sonst dort
installierte
Hilfstriebwerk und
der Hecktank wurden ebenso wie der Tankausleger entfernt, Elektrik und
Hydraulik an die neuen Einsatzbedingungen angepasst. Die so umgebauten
Flugzeuge waren als Weightless Wonder (deutsch: schwereloses
Wunder) oder auch als Vomit Comet (deutsche Entsprechung:
Kotzbomber) bekannt. Zwei dieser KC-135 (55-3129 und 62-3536) sowie eine
C-135A betrieb das
Air Force Systems Command
von 1960 bis 1973 von der
Wright-Patterson Air Force Base
aus. 1974 übernahm die NASA die Programmleitung und verwendete von der
Ellington Air Force Base
aus zunächst die 59-1481 als NASA 930 (Registrierung N930NA), die bis zu
ihrem Einsatzende im Dezember 1995 über 57.600 Parabeln flog. Von Mai 1995
an folgte die 63-7998 als NASA 931 (N931NA), die im Oktober 2004 nach
13.605 Flugstunden und 34.757 Parabeln außer Dienst gestellt wurde. Die
NASA 931 wurde außerdem zum Pilotentraining der angehenden Astronauten
eingesetzt und begleitete die
Shuttlemissionen
als Transportflugzeug.[4]
Nach ihrem Einsatz als Weightless Wonder
testete das
Dryden Flight Research Center
der NASA an der 55-3129 den Einsatz von
Winglets. Im Juli
1979 erhielt diese Maschine 2,7 m hohe Winglets an den Tragflächenenden
und absolvierte damit bis Januar 1981 39 Flüge. Sie lieferten wichtige
Erkenntnisse über das Stömungsverhalten und mögliche Treibstoffersparnis,
kamen bei der KC-135 jedoch nie serienmäßig zum Einsatz.
Die US-amerikanische Bundesbehörde für
Zivilluftfahrt
FAA setzte von 1960
bis 1975 zwei KC-135A ein. Die beiden Flugzeuge (59-1481 und 59-1518) mit
den zivilen Registrierungen N98 beziehungsweise N96 überprüften bestehende
und geplante Flugrouten und Navigationsanlagen.
KC-135B
- Ursprung
Nach dem Amtsantritt von
US-Präsident
John F. Kennedy
änderten die USA 1961 ihre mit der
NATO abgestimmte
Militärstrategie der
Massiven Vergeltung
hin zur
Flexiblen Erwiderung.
Ging es bis dahin darum, nach einem feindlichen Angriff möglichst
automatisiert einen allumfassenden atomaren Gegenschlag zu starten, sollte
nun eine Reihe von dosierten und kontrollierten Gegenangriffen möglich
sein. Dazu war es aber nötig, dass die Kommandostrukturen des
Strategic Air Command (SAC)
– und darüber hinaus bis zum Präsident als Oberbefehlshaber – auch nach
der Zerstörung der SAC-Befehlszentralen am Boden noch funktionierten. Die
Luftwaffe entschied sich daher für den Einsatz von luftgestützten
Kommandoposten (Airborne Command Post, ACP). Für diesen Zweck hatte
sie schon Mitte bis Ende 1960 fünf umgebaute KC-135A erfolgreich getestet.
Die Maschinen erhielten eine Betankungsanlage, um die Einsatzdauer
verlängern zu können. Auf dem Hauptdeck entstand ein Abteil mit
Kommunikationsgeräten und einem Tisch für Besprechungen, an der Außenseite
wurden zusätzliche Antennen angebracht. Das Gesamtsystem bezeichnete das
SAC auch als Post Attack Command and Control System (PACCS).
- Looking Glass
Eine EC-135C (62-3585) des 7th ACCS, Offutt
Air Force Base, mit MILSTAR-Ausrüstung
Anfang 1961 begannen die fliegenden
Befehlszentralen des SAC mit regelmäßigen Einsätzen unter dem Namen
Looking Glass.
Bis Ende 1962 wuchs die Flotte auf 16 Stück. Gleichzeitig orderte die USAF
17 neue Flugzeuge für diesen Zweck, die Boeing von 1963 an als KC-135B
baute und von Februar 1964 bis Februar 1965 auslieferte. Diese
Kommandoposten der zweiten Generation hatten verglichen mit der älteren
Version leistungsfähigere
Turbofantriebwerke
des Typs
Pratt & Whitney TF33-P-9,
zusätzliche Drahtantennen für
Längstwellenfunk
und modernisierte Kommunikationstechnik. Auch sie konnten in der Luft
betankt werden.
Wegen ihrer speziellen Rolle und um sie von den
anderen Tankern unterscheiden zu können, erhielten die ACPs der Baureihe
KC-135B zum 1. Januar 1965 die neue Bezeichnung EC-135C. Nach der
Indienststellung der neueren Version dienten die Kommandoposten der ersten
Generation nun unter dem Kürzel EC-135A als Reservemaschinen und unter
anderem als fliegende Relaisstation für militärischen Funkverkehr. Die
Tankanlage einschließlich Teleskopausleger blieb bei all diesen Maschinen
erhalten und wurde regelmäßig zum Training oder für Notfälle benutzt.
Anfang 1990 rüstete die Air Force vier EC-135C durch das Programm Pacer
Link mit einer Anlage zur Satellitenkommunikation aus, äußerlich
erkennbar an einem Höcker auf dem Rumpf, unter dem sich die Antenne für
den
MILSTAR-Funk
verbarg.
Die Looking-Glass-Missionen bestanden aus
Achtstundenschichten. Konnte die Ablösung aufgrund schlechten Wetters oder
wegen technischer Probleme nicht stattfinden, verlängerte sich der Einsatz
eines ACP um weitere acht Stunden. Bei Bedarf wurde in der Luft
nachgetankt. Die Besatzung bestand neben der eigentlichen
Flugzeugbesatzung (Pilot, Copilot, Navigator, Auslegerbediener) aus
weiteren 10 bis 14 Mitgliedern, darunter ein SAC-Befehlshaber (oft ein
General, mindestens
aber ein
Oberst),
stellvertretender Einsatzleiter, Spezialisten für
Nachrichtendienst,
Datenverarbeitung und Wetter sowie mehrere Funktechniker. Die USAF
stationierte die EC-135 zunächst in
Andrews Air Force Base
(Maryland),
Barksdale AFB (Louisiana),
March AFB (Kalifornien),
Offutt AFB (Nebraska)
und
Westover AFB (Massachusetts).
Waren sie zuerst noch bestehenden Tanker- und Aufklärungseinheiten
zugeordnet, gründete das Strategic Air Command zum 1. April 1970
eigenständige
Staffeln für die
PACCS-Flugzeuge, die Airborne Command and Control Squadrons (ACCS)
und verteilte sie auf verschiedene weitere Stützpunkte der USA.
Vom 3. Februar 1961 bis zum 24. Juli 1990 befand
sich ständig eine solche Looking-Glass-Maschine in der Luft. Nur zweimal,
1963 und 1972, wurde die Mission für längstens 20 Minuten unterbrochen,
als jeweils ein erkranktes Besatzungsmitglied abgesetzt werden musste.
Zumindest in den zwei Jahren bis zur Auflösung des Strategic Air Command
am 1. Juni 1992 startete nur noch ein Einsatz pro Tag. Vier EC-135C legte
die Luftwaffe 1992 und 1993 still und lagerte sie im
Aerospace Maintenance and Regeneration Center (AMARC)
ein. Rund ein halbes Dutzend blieb noch bis Ende der 1990er-Jahre beim 7th
ACCS des
Air Combat Command
in Offutt zur Unterstützung des
United States Strategic Command
im Dienst. Ab dem 1. Oktober 1998 übernahmen die
Boeing E-6 TACAMO
der
US-Marine die
Looking-Glass-Einsätze. Die MILSTAR-Ausrüstung wurde aus den EC-135C aus-
und in die E-6A eingebaut, die daraufhin die Bezeichnung E-6B erhielten.
- Weitere Verwendung
Inneneinrichtung einer EC-135 als
Airborne Launch Control Center
Die EC-135C waren dafür ausgerüstet, im Ernstfall
den Präsidenten, seinen Stellvertreter und den Verteidigungsminister
(National
Command Authority)
an Bord zu nehmen. Sie fungierten als National Emergency Airborne
Command Post (NEACP), also als Befehlszentrale für den Fall des
Ausnahmezustands
(state of emergency). Dafür hatten die Maschinen zusätzliche
Funkgeräte zur besonders geschützten, verschlüsselten Kommunikation mit
anderen Befehlsstellen. Von 1965 bis 1967 wurden zunächst drei C-Modelle
unter dem Programm Night Watch III mit modernerer Elektronik und
einem geräumigeren Abteil für die Oberbefehlshaber ausgestattet und
erhielten danach die Bezeichnung EC-135J. Die Luftwaffe
stationierte sie bei ihrem Hauptquartier auf der
Andrews Air Force Base
nahe dem Regierungssitz
Washington D.C.
Eine davon befand sich ständig in Alarmbereitschaft für Night-Watch-Einsätze.
Ab 1974 übernahm die
Boeing E-4 die
NEACP-Rolle von der EC-135J. Das SAC gab sie daraufhin weiter zur
Hickam Air Force Base
auf
Hawaii, wo sie dem
Kommandeur der
Pacific Air Forces
unter dem Einsatznamen Blue Eagle bis 1993 als fliegende
Kommandozentrale dienten und ältere EC-135P ablösten. Im Februar 1980 kam
eine vierte EC-135J hinzu, die als EC-135C in Hickam zuvor zwei Jahre als
Trainingsflugzeug für Blue Eagle gedient hatte.
Eine weitere Besonderheit der EC-135C – und
einiger EC-135A und EC-135G – war die Möglichkeit, von Bord aus
ferngesteuert Starts von
Interkontinentalraketen
auszulösen, falls die Startzentralen am Boden etwa durch einen
gegnerischen Angriff zerstört worden wären. Diese Airborne Launch
Control Center (ALCC) waren am 31. Mai 1967 offiziell einsatzbereit.
Während des
Kalten Krieges
hätten im Krisenfall zwei bis drei ALCCs über den Raketensilo-Feldern der
USA gekreist und auf den Befehl gewartet, die
Minuteman oder
Peacekeeper zu
starten.
Eine ehemalige KC-135B und spätere EC-135C (USAF-Kennung
63-8050) baute die Luftwaffe 1993 für das
Air Force Materiel Command
zu einem Testflugzeug für Laserwaffensysteme um. Ab 1993 war sie auf der
Edwards Air Force Base
stationiert. Im Oktober 1996 erhielt sie die Bezeichnung NKC-135B
und wurde später auch Big Crow II genannt. Seit Anfang 2006 nennt
die USAF sie NC-135E. Ihr Vorderrumpf trägt seither auf der
Backbordseite eine komplett schwarze Lackierung, auf die eine weiße Rakete
aufgemalt ist. Am Heck dieser „Rakete“ sind starke Licht- und Wärmequellen
installiert, die den heißen Rückstoßstrahl einer Rakete simulieren. Von
der
Kirtland Air Force Base
aus soll damit die Zieleinrichtung des Prototyps
Boeing YAL-1A Airborne Laser
getestet werden.
Eine EC-135C (62-3582) wurde nach 1998 in
WC-135C umbenannt und dient der Messung meteorologischer und
atmosphärischer Daten.
KC-135D
1962 bestellte die Luftwaffe für
photogrammetrische
Aufgaben neun
RC-135A, die ältere
RB-50 ersetzen
sollten. Bis 1964 schrumpfte das Programm auf vier Maschinen, die Boeing
Ende 1965 auslieferte (USAF-Kennungen 63-8058 bis -8061). Es waren
gleichzeitig die letzten vier Exemplare der ganzen C-135-Baureihe. Sie
halfen im Frühjahr 1970 bei der Bestimmung des damals umstrittenen
Grenzverlaufs zwischen
Argentinien und
Chile. Insgesamt
aber litt das System unter technischen Problemen und erreichte nie die
volle Einsatzreife. Außerdem wollte die USAF wegen ihres Engagements im
Vietnamkrieg immer
weniger Geld für derartige Projekte ohne direkten militärischen Nutzen
ausgeben. Daher endeten die Vermessungseinsätze der RC-135A im Jahr 1971
und sie dienten fortan als Transportflugzeuge beim
Strategic Air Command.
Die Luftwaffe ließ sie 1979 in Tankflugzeuge
umrüsten. Zwar waren die RC-135A bis auf den Tankausleger äußerlich
identisch mit der KC-135A, trotzdem bestanden mehr als 70 größere
technische Unterschiede. Zum Beispiel hatten die RC-135A einen zweiten
elektrischen Antrieb der
Landeklappen, statt
einem mechanischen und eine abweichend konstruierte Klimaanlage zur
Kühlung der Fotoausrüstung. Folglich erhielten die vier umgebauten
Flugzeuge die Bezeichnung KC-135D. In den nächsten Jahren setzte
das 305. Luftbetankungsgeschwader sie von der
Grissom Air Force Base
aus als Tanker ein, bis sie 1990 neue Turbofantriebwerke des Typs
TF33-PW-102 erhielten anstelle der J57-Turbojets. Danach dienten sie der
Air National Guard
zuerst in
Alaska und nach
1995 bei der 117. Luftbetankungsstaffel (117th Air Refueling Squadron) des
190. Luftbetankungsgeschwaders (190th Air Refueling Wing) auf dem
Forbes Field in
Kansas. Im März und
April 2007 wurden die KC-135D zum
AMARC geflogen und
stillgelegt.
KC-135E
Ab 1975 gab die US-Luftwaffe die ältesten KC-135A
weiter an die Reserveeinheiten des
Air Force Reserve Command
und der
Air National Guard.
Um die Leistungen der rund 130 Flugzeuge zu verbessern und die
Umweltbelastungen zu reduzieren, wurden sie ab 1981 mit neuen Triebwerken
ausgerüstet. Boeing erhielt im September 1981 den Auftrag, gebrauchte
Pratt & Whitney JT3D-Triebwerke
von überschüssigen zivilen
B707 zu überholen
und gegen die J57 der KC-135A auszutauschen. Im Vergleich zu den alten
Turbojets boten die
JT3D-3B-Turbofans
(militärische Bezeichnung TF33-PW-102) mit 80,1 kN eine um 30 % höhere
Schubleistung, einen 12 % geringeren Treibstoffverbrauch, 60 % weniger
Lärm und 90 % weniger Abgase. Mit den TF33 entfiel die für die stärksten
Emissionen verantwortliche
Wassereinspritzung.
Ebenfalls von den ausgemusterten B707 übernahm Boeing einige
Cockpitinstrumente, das
Höhenleitwerk und
Gierdämpfer; ein
Antiblockiersystem
verbesserte die Bremsanlage.
Die umgerüsteten Maschinen erhielten die
Bezeichnung KC-135E. Durch die gesteigerte Antriebsleistung und den
niedrigeren Verbrauch konnte sie rund 20 % mehr Treibstoff an
Empfängerflugzeuge abgeben als der Vorgänger. Die Startrollstrecke
verkürzte sich um rund 500 Meter. Wegen der zivilen Abstammung ihrer
Triebwerke besitzen einzig die D- und E-Modelle
Schubumkehr. Das
erste E-Modell übergab Boeing am 26. Januar 1982 an die Luftwaffe, bis
1991 waren rund 150 Tanker der A-Variante und einige Spezialversionen
(EC-135H, NKC-135A) auf diese Weise modernisiert. Rund 20 KC-135E ließ die
USAF ab 1996 weiter aufrüsten zu KC-135R.
Ende März 2008 standen noch 67 KC-135E
ausschließlich bei den Reservestreitkräften im Dienst, von denen
allerdings nur 15 tatsächlich verwendet werden. 25 Maschinen werden zwar
flugbereit gehalten aber nicht eingesetzt, was pro Jahr und Flugzeug
121.400 Dollar kostet. Die übrigen 27 unterliegen teilweise seit Jahren
einem
Flugverbot, weil
bei ihnen Schäden durch
Korrosion im
Bereich der Triebwerksaufhängungen festgestellt wurden.[5]
Im Haushaltsjahr 2008 darf die Luftwaffe höchstens 48 KC-135E stilllegen
(ausgehend von einem Bestand von 85 Maschinen im Herbst 2007). Die
verbleibenden 37 Flugzeuge dürfen erst dann ausgemustert werden, wenn der
Entwicklungsvertrag für das Nachfolgemodell KC-X endgültig vergeben ist.[6]
Diese E-Modelle sind mit einem Alter von bis zu 50 Jahren die ältesten
noch aktiven Flugzeuge der US-Luftwaffe.
KC-135Q und -T
Ende der 1950er-Jahre entwickelte
Lockheed für den
US-amerikanischen Geheimdienst
CIA das
Aufklärungsflugzeug
A-12 Oxcart, aus
der wenige Jahre später die
YF-12 und
schließlich die
SR-71 Blackbird für
die Luftwaffe hervorgingen. Die hohe Fluggeschwindigkeit von bis zu
Mach 3,3 und die
damit verbundene
Reibungshitze
erforderte einen speziellen thermisch stabilen
Treibstoff. Wegen
der begrenzten internen Kraftstoffkapazität der A-12 und ihrer Nachfolger
mussten sie für ihre Einsätze in der Luft betankt werden können. Für
diesen Zweck finanzierte die CIA ab 1961 die Umrüstung von zunächst fast
20 KC-135A. Sie erhielten spätestens im Juni 1966 die außer der Reihe
liegende Bezeichnung KC-135Q, logisch wäre C als Versionskennung
gewesen.
Zur Aufnahme des Spezialtreibstoffs PF-1 dienten
die Rumpftanks im Unterdeck und auf dem Hauptdeck, während der
Standardtreibstoff JP-4 zur Eigenversorgung der KC-135 in den Flügeltanks
unterkam. Um das PF-1 trotz seiner ätzenden Wirkung transportieren zu
können, wurden die Kraftstoffleitungen und -tanks mit keramischen
Beschichtungen versehen. Als die Luftwaffe Anfang der 1970er-Jahre das
PF-1 durch das weniger aggressive JP-7 ersetzte, konnte das herkömmliche
Kraftstoffsystem wieder installiert werden. Die KC-135Q nahm gleichzeitig
bis zu 33,8 Tonnen Spezialtreibstoff und 49,9 Tonnen JP-4 auf. Es war auch
möglich, nach dem Durchspülen der JP-7-Kraftstoffanlage in allen Tanks
JP-4 zu transportieren und weiterzugeben. Die Q-Version war also nicht auf
die Luftbetankung der A-12 oder SR-71 beschränkt, sondern hat auch andere
Flugzeugtypen versorgt.
Weitere Änderungen betrafen die
Avionik. Ein
zusätzliches, drittes
UHF-Funkgerät
(AN/ARC-50) mit Entfernungsmesseinrichtung half eine SR-71 über mehrere
hundert Kilometer zu orten. Umgekehrt versorgte ein Peilsender (TACAN,
AN/ARN-90) an Bord der KC-135Q die Besatzung der SR-71 mit Daten, um den
Tanker sicher zu treffen. Dazu kamen Geräte zur präzisen Navigation fernab
von gerichteten
Funkfeuern (LORAN)
sowie Blinklichter und Scheinwerfer zur Orientierung beim Rendezvous. Eine
leitungsgebundene Funkverbindung über den Tankausleger ermöglichte die
Kommunikation zwischen den Flugzeugbesatzungen auch bei Funkstille während
der geheimen Aufklärungseinsätze.
Bis Ende 1966 standen 21 KC-135Q zur Verfügung,
1967 rüstete die Luftwaffe noch einmal 35 A-Modelle um, so dass insgesamt
56 KC-135Q entstanden. Allerdings erhielten nur 21 davon die komplette
Avionikausrüstung, 35 wurden lediglich mit dem AN/ARC-50 ausgestattet und
sollten die übrigen Geräte nur bei Bedarf mitführen.
Der Einsatz der KC-135Q begann unmittelbar nach
dem
Erstflug der A-12
im April 1962, die ersten Betankungsversuche fanden noch mit gewöhnlichem
JP-4 statt. Nach der Einführung der SR-71 im Jahr 1966 waren die Q-Modelle
zusammen mit ihr auf der
Beale Air Force Base
in
Kalifornien
stationiert und gehörten zur 903. Luftbetankungsstaffel des
Strategic Air Command.
Zur Unterstützung der Aufklärungsmissionen wurden KC-135Q zusammen mit den
A-12 und SR-71 verlegt, unter anderem ab 1967 zur
Kadena Air Base (Japan)
oder nach
RAF Mildenhall (Großbritannien).
Seit 1981 wird die KC-135Q durch die
KC-10 Extender
entlastet, die ebenfalls die Blackbird betanken kann. Nachdem die USAF die
SR-71 Anfang 1990 außer Dienst gestellt hatte, diente die Q-Version als
normales Tankflugzeug oder transportierte Spezialtreibstoff für die
U-2 Dragon Lady zu
deren Einsatzorten.
Zwei KC-135Q gingen bei Unfällen verloren: Am 3.
Juni 1971 stürzte die Maschine mit der Kennung 58-0039 beim Anflug auf die
Torrejon Air Base
in Spanien ab, wobei alle fünf Besatzungsmitglieder ums Leben kamen. Die
60-0338 fing am 8. Februar 1980 bei der Betankung auf der
Plattsburgh Air Force Base,
New York, Feuer und
wurde stark beschädigt. Der Rumpf diente anschließend noch als Testobjekt
für Antennenmontagen.
Zwischen Mitte 1993 und Ende 1995 ließ die
Luftwaffe alle 54 verbliebenen KC-135Q mit neuen Triebwerken des Typs
F108 ausrüsten und
brachte sie so auf den technischen Stand der R-Version. Sie erhielten
anschließend die Bezeichnung KC-135T.
Eine einzelne Stratotanker trug die Bezeichnung
KC-135T schon früher. Die Maschine mit der Kennung 55-3121 entstand im
Dezember 1969 aus einer KC-135R (alt) und diente zur
elektronischen Aufklärung.
Ende 1970 ließ die Luftwaffe sie für
Fernmeldeaufklärungseinsätze
umrüsten und führte sie ab Mai 1971 als RC-135T.
KC-135R
Eine KC-135A betankt den Prototyp der
KC-135R (61-0293)
KC-135R mit externen Betankungsbehältern
versorgt britische
Tornados
Mitte der 1970er-Jahre plante die US-Luftwaffe
die Modernisierung ihrer Tankerflotte. Das Verteidigungsministerium hatte
ein Programm gestartet für ein neues kombiniertes Tank- und
Transportflugzeug (Advanced Tanker/Cargo Aircraft, ATCA), aus dem
schließlich 1980 die KC-10 Extender entstand. Nach dem Ende der Einsätze
im
Vietnamkrieg gab
das Strategic Air Command (SAC) rund 130 KC-135 an die Reservestreitkräfte
ab. Die verbliebenen Tanker sollten aufgewertet werden, um sie effizienter
einsetzen zu können. Fünf Vorschläge schafften es ab 1977 in die engere
Wahl. Der mit 10,6 Millionen US-Dollar pro Flugzeug teuerste und
aufwändigste sah vor, die J57-Turbojettriebwerke durch moderne Turbofans
zu ersetzen und neu konstruierte Tragflügel mit
superkritischem Profil
zu installieren. Nach dem billigsten aber gleichzeitig auch
ungewöhnlichsten Entwurf sollten die KC-135 eine gemischte Motorisierung
erhalten, indem jeweils nur die beiden inneren Triebwerke erneuert würden.
Boeing stattete 1979 seine letzte für zivile
Zwecke gebaute B707 mit Turbofantriebwerken des Typs
CFM56-2 aus und
unternahm 1980 mit dieser B707-700 eine Werbetour über 15
Luftwaffenstützpunkte, um möglichst vielen Piloten und Offizieren den
neuen Antrieb vorzustellen. Schließlich entschied sich die Luftwaffe für
genau diese Motorisierung aber gegen neue Tragflügel. Allerdings ließ sie
unabhängig davon zwischen 1975 und 1988 die Beplankung der
Tragflächenunterseite aller KC-135 erneuern, um deren Lebensdauer zu
erhöhen. 1981 erhielt Boeing den Auftrag, die über 400 KC-135 des SAC
aufzurüsten. Neben den CFM56-Triebwerken (militärische Bezeichnung:
F108-CF-100) gehörten dazu unter anderem zwei
Hilfstriebwerke
statt wie bisher eines, ein verstärktes Fahrwerk, ein von 46,5 auf 50,6
Quadratmeter vergrößertes Höhenleitwerk und über 20 weitere technische
Änderungen.
Die modernisierte Tankerversion erhielt die
Bezeichnung KC-135R. Das erste Exemplar verließ am 22. Juni 1982
Boeings Werkshallen in
Wichita (Kansas)
und flog erstmals am 4. August desselben Jahres. Als Prototyp fungierte
die 61-0293, ein ehemaliger fliegender Kommandoposten (EC-135A) des SAC,
der schon seit Anfang der 1960er-Jahre selbst in der Luft betankt werden
konnte. Das kam der Flugerprobung des R-Modells zugute, da so die
Leistungen bei verschiedenen Fluggewichten leichter ermittelt werden
konnten. Tatsächlich verbesserten sich die
Flugleistungen
durch den neuen Antrieb enorm: Bei einem typischen Einsatzprofil (Start,
3.700 Kilometer Flug zum Rendezvous, 3.700 km Rückflug zur Basis) kann
eine KC-135R maximal 31,8 Tonnen Treibstoff übergeben, eine KC-135A nur
18,1 t. Die Schubleistung stieg um rund 70 % auf 98,5 kN, der Verbrauch
sank um 25 % und die Lärmemissionen um 96 %. Ein entscheidender Pluspunkt
sind auch die niedrigeren Wartungs- und Betriebskosten. Im Grunde
erbringen zwei R-Modelle die gleiche Leistung wie drei A-Modelle. Bei
Langstreckeneinsätzen übertrifft die Leistungsfähigkeit der KC-135R sogar
die der KC-10, da diese bei hohem Gewicht relativ viel Sprit für den
Eigenverbrauch benötigt.
Insgesamt rüstete Boeing bis Juni 2005 345
A-Modelle und 20 E-Modelle der USAF zu R-Version auf, außerdem rund 25
Exportmodelle für Frankreich (C-135FR, siehe unten), Singapur und die
Türkei. Acht KC-135R der US-Luftwaffe können selbst in der Luft betankt
werden, weil sie vorher schon für spezielle Aufgaben eingesetzt waren,
etwa als mobile Befehlsstation des SAC oder als Aufklärer. Sie gehören
seit 1994 zum 22. Luftbetankungsgeschwader auf der
McConnell Air Force Base.
Zwanzig Maschinen besitzen an der Unterseite der Tragfächenenden
Halterungen für externe Betankungsbehälter des Typs Mk 32B, über die
gleichzeitig zwei Flugzeuge der US-Marine und anderer NATO-Staaten mittels
Schlauch und Fangtrichter betankt werden können (Multipoint Refueling
System, MPRS).
KC-135R war auch die Bezeichnung für eine frühe
Aufklärerversion der KC-135A. Die vier Maschinen (55-3121, 58-0126,
59-1465 und 59-1514) erhielten zum 1. Juni 1967 diesen Namen, waren auf
der
Offutt Air Force Base
(Nebraska)
beheimatet und nahmen weltweit an Spezialmissionen teil. Bis 1976 waren
sie entweder in andere Varianten umgebaut oder abgestürzt (59-1465, 17.
Juli 1967 in Offutt), so dass die Bezeichnung ab 1981 für die neu
motorisierten Tanker wieder verwendet werden konnte.
C-135F – Tanker für
Frankreich
- Hintergrund
Bis Mitte der 1990er-Jahre blieb Frankreich das
einzige Land, in das die USA die KC-135 exportierten, obwohl auch Anfragen
aus Iran, Israel und Kanada vorlagen. Die Lieferung von zwölf neu gebauten
Tankflugzeugen 1964 war in der US-Regierung umstritten, weil Frankreich
damit seine mit
Atomwaffen
ausgerüstete
Force de frappe
noch schlagkräftiger und unabhängiger machen wollte.
Ursprünglich plante die
französische Luftwaffe
Mitte der 1950er-Jahre den Bau eines überschallschnellen
strategischen Bombers,
um Ziele in der
Sowjetunion
angreifen zu können, er wurde aus Kostengründen aber nie verwirklicht.
Stattdessen erhielt der vorhandene
Bomber
Dassault Mirage ab
1962 neben anderen Modernisierungen eine Luftbetankungseinrichtung zur
Steigerung der Reichweite. Diese neue Mirage IVA konnte nun mit einer
Luftbetankung 5510 Kilometer weit fliegen, statt 2870 km ohne Nachtanken.
Um die Bomberflotte im Ernstfall schnell mit Treibstoff versorgen zu
können, kam nur ein Tanker mit
Strahlantrieb
infrage, eine kurzzeitig erwogene
Transall C-160-Variante
erwies sich als zu langsam.
- Verhandlungen
Frankreich begann 1960 Verhandlungen mit den USA
über den Kauf von zehn Stratotankern. Ein Tanker sollte vier Mirage
bedienen können, so dass die Luftwaffe bei einer geplanten Bomberflotte
von 36 Maschinen mit neun KC-135 plus eine Reservemaschine kalkulierte.
Ohne Tankflugzeuge wären die Bomber wirkungslos, da sie die entfernten
Ziele im Osten nicht erreichen könnten. Die Gespräche blieben zunächst
ohne Erfolg, denn die USA wollten die militärische Unabhängigkeit
Frankreichs auf keinen Fall fördern. Einige US-Generäle befürworteten zwar
die Lieferung, aber Präsident
John F. Kennedy
erklärte am 7. Juni 1962 öffentlich, dass eine Unterstützung des
französischen Atomwaffenprogramms kein Thema sei. Genau am selben Tag
jedoch genehmigte der stellvertretende US-Verteidigungsminister
Roswell Gilpatric
den Verkauf von zwölf KC-135 im Wert von 50 Millionen US-Dollar an
Frankreich. Noch neun Tage nach diesem Abschluss wetterte
Verteidigungsminister
Robert McNamara
gegen die französische Abschreckungsstrategie und bezeichnete sie als
unzureichend, unglaubwürdig und gefährlich, ehe er einen weiteren Monat
später den Vertrag bekannt gab, der die verbesserten Beziehungen der
beiden Staaten widerspiegele.
- Produktion und Lieferung
Boeing produzierte die Tanker in zwei Blöcken zu
je sechs Maschinen unter der internen Modellnummer 717-165. Da Frankreich
sie sowohl als Tank- als auch als
Transportflugzeug
einsetzen wollte, erhielten sie die
Bezeichnung
C-135F. Sie tragen Registrierungen nach dem Schema der
US-Luftwaffe
(63-8470 bis 8475 und 63-12735 bis 12740) und zusätzlich die beiden
letzten Buchstaben einer pseudo-nationalen Kennung, die als Rufzeichen
dienen (F-UKCA bis -UKCL).
Frankreich wollte ursprünglich
Turbofan-Triebwerke
als Motorisierung, entschied sich wegen der niedrigeren Anschaffungskosten
aber letztlich für die üblichen
Pratt & Whitney J57-Turbojets.
Im Gegensatz zu den Stratotankern der US-Luftwaffe wurden die C-135F
serienmäßig mit einem Schlauch am Tankausleger versehen, da die
französische Luftwaffe bis 1990 ausschließlich das Schlauch-Sonden-System
zur
Luftbetankung
verwendete.
Der
Rollout der ersten
C-135F fand am 5. November 1963 in
Renton,
Washington, der
Erstflug am 26.
November statt. Die USA lieferten am 3. Februar 1964 das erste
Tankflugzeug an Frankreich, das zwölfte und letzte am 10. Oktober 1964.
Am 1. August 1963 stellte die Armée de l'Air ihre
erste Einheit zur Luftbetankung auf, die 90. Escadron de Ravitaillement
en Vol (ERV, deutsch: Luftbetankungsstaffel) auf dem
Luftwaffenstützpunkt
125 in
Istres-Le Tubé. Die
90. ERV erhielt am 3. Februar 1964 ihren ersten Ravitailleur
(franz. für Tanker). Die zwölf C-135F wurden auf drei Stützpunkte
verteilt, neben Istres noch
Mont de Marsan und
Avord. Seit Juli
1976 gehören die Tanker zum 93. ERV.
- Modernisierungen
Boeing erneuerte
1977 die Außenhaut an der Unterseite der Tragflächen, um die Lebensdauer
der Flugzeuge zu erhöhen. 1980 entschloss sich Frankreich, die Tanker mit
neuen Turbofantriebwerken vom Typ
CFM56-2B1
auszurüsten. Die erste modernisierte Maschine (63-12736) flog erstmals am
3. August 1985, bis 1988 war die Umrüstung abgeschlossen. Die neu
motorisierten Tankflugzeuge erhielten die Bezeichnung C-135FR.
Ab 1993 wurden die Maschinen mit
Betankungsbehältern an den Tragflügelenden ausgestattet, so dass nun zwei
Empfänger gleichzeitig bedient werden können. Der starre Ausleger am Heck
hat nun ohne Schlauchadapter einen höheren Durchsatz, was die Versorgung
der französischen
AWACS-Aufklärer
E-3F verbessert.
Um dem gestiegenen Bedarf an
Luftbetankungskapazität gerecht zu werden, leaste Frankreich von Ende 1992
bis 1997 drei KC-135R von der US-Luftwaffe. Ab Mitte 1997 übernahm die
Armée de l'Air zum Ausgleich fünf KC-135R, die zuvor als KC-135A beim
AMARC
zwischengelagert waren und vor der Auslieferung neue CFM56-Triebwerke
erhielten, um sie auf den Stand der R-Version zu bringen.
Einsatz
Kalter Krieg
Die regulären Einsätze der KC-135 begannen Ende
1957. Sie versorgten unter anderem die fliegenden Kommandoposten des
Strategic Air Command über dem Gebiet der USA und betankten in der
Operation Chrome Dome
die B-52 Stratofortress, die in den 1960er-Jahren ständig mit
Atomwaffen in der
Nähe der
Sowjetunion
patrouillierten. Ein Teil der Tankerflotte befand sich während des
Kalten Krieges in
ständiger Alarmbereitschaft am Boden, um im Ernstfall die
strategischen Bomber
des SAC bei einem
Erst- oder
Vergeltungsschlag
zu unterstützen. Dazu kamen die Spezialeinsätze der KC-135Q zur Betankung
des Höhenaufklärers SR-71 Blackbird. Nach dem Ende des Kalten Krieges und
der Auflösung des SAC im Juni 1992 übernahm das
Air Mobility Command
der US-Luftwaffe die Tankerflotte.
Kampfeinsätze
Am 9. Juni 1964 kam die KC-135 zum ersten Mal bei
Kampfhandlungen zum Einsatz, als sie über
Vietnam
Kampfflugzeuge des Typs
F-100 Super Sabre
betankte, die anschließend Ziele in
Laos angriffen. Die
Einsätze in Südostasien begannen schon im Oktober 1961 mit der
Unterstützung von Aufklärungsflügen, und von Mitte 1962 bis Ende 1963
begleiteten 200 KC-135 insgesamt 29 Verlegungen von Kampfjets in die
Krisenregion. Im
Vietnamkrieg waren
bis zu 172 KC-135 vor Ort, verteilt hauptsächlich auf die Stützpunkte
Kadena Air Base (Japan),
U-Tapao Air Base (Thailand),
Andersen Air Force Base
(Guam)
und
Clark Air Base (Philippinen).
Während des Krieges flogen die Stratotanker insgesamt 194.687 Einsätze,
führten 813.878 Luftbetankungen durch und übergaben dabei rund 4,07
Millionen Tonnen Treibstoff.
Im
Zweiten Golfkrieg
kamen die Tanker während der ersten 22-wöchigen Phase Desert Shield
ab August 1990 13.168 mal zum Einsatz und betankten 28.857 Empfänger mit
160.425 Tonnen Treibstoff. In den anschließenden sechs Wochen von
Desert Storm absolvierten 262 KC-135 13.587 Einsätze und 40.781
Betankungen mit 234.562 Tonnen Sprit.[7]
Während dieses Golfkrieges setzte die Luftwaffe erstmals die modernere
KC-135R im Kampf ein, die bei oft heißer und feuchter Witterung die Arbeit
von zwei KC-135A oder -Q leistete. Am
Kosovokrieg
(Operation
Allied Force)
1999 nahmen 151 KC-135 teil. Während der Invasionsphase des
Irak-Kriegs
(Operation Iraqi Freedom) von März bis Mai 2003 flogen 149 KC-135 und
33 KC-10 der USAF über 6.000 Einsätze und transferierten dabei mehr als
136.000 t Kraftstoff.[8]
Die französischen C-135F flogen ab 1966
regelmäßig Tank-Einsätze für die alarmbereiten Mirage-Bomber, von denen
bis 1967 ständig zwölf in der Luft waren. Der erste Kampfeinsatz der
Ravitailleurs fand 1977 statt, als die französische Luftwaffe
Polisario-Rebellen
in
Mauretanien
bekämpfte (Operation Lamantin). Es folgten 1983 und 1986 Einsätze im
Tschad (Operationen
Manta und Épervier). Seit 1990 unterstützen die französischen
Tankflugzeuge die Koalitionstruppen in den
Golfkriegen.
Obwohl die KC-135 auch ein Transportflugzeug ist,
wurde sie eher selten in dieser Rolle eingesetzt. Zum einen gab es mit der
C-135A und -B reine Frachtervarianten, zum anderen verfügte die Luftwaffe
ab 1965 mit der
C-141 Starlifter
und später mit der
C-5 Galaxy und
C-17 Globemaster III
über geeignetere Transporter mit leichter zugänglichem und größerem
Laderaum. Im Jahr 2006 beförderten die über 200 KC-135 des Air Mobility
Command nur rund 284 Tonnen Fracht gegenüber 1.732 t der 59 KC-10 und
228.875 t der rund 150 C-17.[9]
Zwischenfälle
Insgesamt gingen 62 Stratotanker der US-Luftwaffe
durch Abstürze oder Unfälle verloren, 54 davon waren KC-135A, drei
KC-135E, zwei KC-135Q und drei KC-135R. Dazu kommen eine C-135F der
französischen Luftwaffe sowie sechs umgebaute ehemalige KC-135: zwei
RC-135 und vier EC-135.
In den Anfangsjahren sind einige KC-135A während
der kritischen Startphase verunglückt. Fiel ein Triebwerk aus oder
versagte die Wassereinspritzung, konnte die Maschine oft nicht mehr
abgefangen werden. Die übrigen Verluste hatten meist technische Defekte,
Wartungsfehler oder schlechtes Wetter in Verbindung mit Pilotenfehlern als
Ursache. Kein Stratotanker ist durch direkte Feindeinwirkung verloren
gegangen.
Nur vier Stratotanker sind bei der eigentlichen
Luftbetankung verunglückt. Der folgenschwerste derartige Vorfall ereignete
sich am 17. Januar 1966 über der spanischen Mittelmeerküste. Während eines
Chrome-Dome-Einsatzes stieß eine KC-135A mit einer B-52G zusammen,
woraufhin beide Flugzeuge nahe
Palomares
abstürzten und sieben der insgesamt elf Insassen starben. Zwei der vier
Wasserstoffbomben der B-52 wurden dabei beschädigt und verseuchten den
Boden. Eine weitere Bombe konnte erst im April 1966 aus dem Mittelmeer
geborgen werden.
Die meisten Menschenleben forderte der Absturz
einer KC-135A am 10. September 1962 nahe
Spokane im
US-Bundesstaat
Washington, wobei
alle 44 Insassen umkamen.
Eine KC-135E der Washington Air National Guard
stürzte am 13. Januar 1999 nahe dem deutschen NATO-Stützpunkt
Geilenkirchen ab.
Die Ursache für das Unglück, bei dem alle vier Besatzungsmitglieder ums
Leben kamen, war ein technischer Fehler in der
Trimmrudersteuerung
des Höhenleitwerks. Bis dieses Ergebnis nach sechs Monaten feststand,
hatten rund 200 baugleiche Stratotanker ein Flugverbot erhalten.
Die verunglückte C-135F war die 63-8473/F-UKCD.
Sie stürzte am 1. Juli 1972 unmittelbar nach dem Start zu einem
Wetter-Aufklärungsflug vom Stützpunkt Hoa (Tuamotu-Archipel,
Französisch-Polynesien)
ab. Ein Triebwerk der vollbeladenen Maschine wurde beim Start zerstört,
weil das
Einspritzwasser der
J57 verunreinigt war. Bei dem Unglück kamen alle sechs
Besatzungsmitglieder ums Leben.
Gegenwart und Zukunft
Heute
Von den insgesamt 732 für die US-Luftwaffe
gebauten Stratotankern betreibt sie Ende März 2008 noch rund 490.
Aufgeteilt auf die verschiedenen Varianten entfallen 67 auf die KC-135E,
365 sind R- und 54 T-Modelle. Davon gehören etwa 200 zur aktiven
Luftwaffe, die meisten zum Air Mobility Command, aber auch die
Pacific Air Forces
und die
United States Air Forces in Europe
unterhalten eigene Staffeln. Die Air National Guard verfügte 2007 über 24
Staffeln mit 250 Stratotankern und repräsentierte damit 45 % der gesamten
Tankerflotte. 84 KC-135 entfielen auf das Air Force Reserve Command.
Einige Maschinen sind außerdem für Testzwecke beim Air Force Materiel
Command im Einsatz.[10][11]
Frankreich betreibt elf C-135FR und drei KC-135R,
die Türkei sieben KC-135R und Singapur vier.
Nachfolger
- Erste Pläne
In den 1990er-Jahren konkretisierten sich
erstmals Überlegungen, die alternde Stratotanker-Flotte der USAF zu
ersetzen. Der
US-Bundesrechnungshof
empfahl 1996 in einer Studie, die Erneuerung voranzutreiben, da die
Betriebs- und Wartungskosten steigen und die technischen Probleme der
mittlerweile rund 35 Jahre alten Flugzeuge in nächster Zeit zunehmen
würden. Die US-Luftwaffe sah nach einer eigenen Untersuchung aus dem Jahr
2001 (KC-135 Economic Service Life Study) aber keinen Grund zur
Eile, weil die strukturelle Lebenserwartung von 36.000 Flugstunden bei der
KC-135E und 39.000 bei der KC-135R noch bis ins Jahr 2040 reiche und
wollte daher mit der Beschaffung neuer Tankflugzeuge bis 2012 warten.
- KC-767
Als Boeing der USAF ebenfalls im Jahr 2001
modifizierte
B767-200ER als
Tanker anbot, schwenkte die Luftwaffe um. Vorgesehen war, 100 KC-767 für
die Dauer von sechs Jahren für rund 25 Milliarden US-Dollar zu
leasen, mit einer
Kaufoption nach Ablauf der Leasingzeit, deren Einlösung die Gesamtkosten
auf rund 30 Milliarden Dollar gesteigert hätte. Die ersten vier Maschinen
sollten ab 2006 geliefert werden, die letzten 20 ab 2011. Sie hätten nach
und nach 133 der ältesten KC-135E-Modelle ersetzen sollen.
[12]
Dieses unübliche Geschäftsmodell, die womöglich
zu hohen Kosten und der Meinungswandel der Luftwaffe waren in der Folge
Gegenstand mehrerer Anhörungen im
US-Kongress und im
Senat. Als
Kompromiss genehmigte der Kongress für das
Haushaltsjahr 2004
das Leasing von 20 und den Kauf von maximal 80 KC-767. Dazu kam es jedoch
nicht mehr, unter anderem weil
Darleen A. Druyun,
eine leitende Angestellte in der Beschaffungsabteilung der USAF, mit
Boeing einen hoch dotierten Posten für sich ausgehandelt hatte, während
sie gleichzeitig noch die Aufsicht über das Tankergeschäft ausübte. Druyun
wurde am 1. Oktober 2004 wegen unrechtmäßiger Bevorzugung von Boeing zu
einer neunmonatigen Haftstrafe verurteilt. Außerdem wurden im Februar 2005
mehrere führende Mitarbeiter des
US-Verteidigungsministeriums
beschuldigt, für das Leasingmodell in unzulässiger Weise geworben und den
Zustand der KC-135-Flotte wissentlich falsch dargestellt zu haben.[8]
Daraufhin stoppte der Kongress das KC-767-Programm vorläufig, bevor
Verteidigungsminister
Donald Rumsfeld es
im Januar 2006 für endgültig beendet erklärte.
- KC-X und KC-45A
Mittlerweile beanspruchten die US-Streitkräfte
durch die anhaltenden Einsätze in Afghanistan und Irak die Tanker stärker
als vorhergesehen, so dass ihre Erneuerung umso dringender erschien. Für
die US-Luftwaffe wurde dieses Vorhaben nun immer wichtiger und steht seit
Oktober 2006 ganz oben auf der Prioritätenliste.[13]
Mit der Veröffentlichung einer Anfrage (Request
for Information, RFI) begann am 25. April 2006 formal der zweite
Anlauf zur Modernisierung der Tankerflotte, mit dem Namen KC-135 Tanker
Replacement Program (KC-X).[14]
Am 25. September folgte der erste Entwurf für eine
Ausschreibung (Request
for Proposal, RFP), in dem die Anforderungen an das zukünftige
Tankflugzeug der USAF festgehalten sind. Geplant ist die Beschaffung von
179 KC-X. Sie sollen wie die KC-135 und KC-10 auch als Transportflugzeug
für Fracht und Truppen eingesetzt werden können, durch moderne Technik
aber wesentlich flexibler und leistungsfähiger als die Vorgänger sein.
Die endgültige Fassung des RFP sollte
ursprünglich am 15. Dezember 2006 erscheinen, am 6. Dezember verschob die
Luftwaffe den Veröffentlichungstermin auf Ende Januar 2007, um mehr Zeit
für Änderungen zu haben. Die Ausschreibungsunterlagen erschienen
schließlich am 30. Januar 2007.[15]
Interessenten hatten bis zum 12. April Zeit, ihre Vorschläge einzureichen.
Die einzigen Bewerber waren Boeing und
Northrop Grumman,
die beide am 10. April 2007 ihre Angebote abgaben und sie bis zum 3.
Januar 2008 mehrmals überarbeiteten. Boeing bewarb sich wiederum mit
seiner KC-767. Ende September 2006 brachte der Hersteller zwischenzeitlich
die
B777 als KC-777 ins
Spiel, um auch ein größeres Flugzeug anbieten zu können.[16]
Mitte Februar 2007 entschied sich Boeing jedoch, den KC-767 Advanced
Tanker ins Rennen zu schicken, der diesmal auf der neuen
Frachterversion B767-200LRF (Long Range Freighter) basieren sollte.[17]
Northrop Grumman bot in Zusammenarbeit mit der europäischen
EADS ein
Tankflugzeug auf Basis des
Airbus A330-200 an,
das in
Mobile,
Alabama, produziert
werden soll und vorläufig KC-30 genannt wurde. Die Luftwaffe ließ im
November 2006 die Bezeichnung
KC-45A für den
neuen Tanker reservieren.
Am 29. Februar 2008 gab die Luftwaffe Northrop
Grumman als Gewinner des Wettbewerbs bekannt.[18]
Die Serienproduktion könnte demnach 2010 starten und die erstmalige
Einsatzbereitschaft der KC-45 im Jahr 2013 erreicht sein. Boeing legte
allerdings am 11. März 2008 beim US-Rechnungshof
Government Accountability Office (GAO)
Protest gegen diese Entscheidung ein, dem dieser am 18. Juni stattgab. Das
GAO empfiehlt daher, das Bieterverfahren mit den beiden bisherigen Bietern
neu zu starten.[19]
Das daraufhin neugestartete Bieterverfahren wurde am 10. September 2008
vom Pentagon vorläufig abgebrochen.[20]
Damit verzögert sich die Nachfolge für die KC-135 auf umbestimmte Zeit.
Das KC-X-Programm hat ein geschätztes Volumen von
35 Milliarden US-Dollar und deckt die Erneuerung eines Drittels der rund
600 Tanker der US-Luftwaffe ab, der Ersatz der übrigen Flugzeuge soll
durch die anschließenden Programme KC-Y und KC-Z erfolgen. Selbst bei
planmäßigem Verlauf blieben die letzten KC-135 bis etwa 2043 im Dienst und
wären dann über 80 Jahre im Einsatz.
Technische Daten
Blick auf eine KC-135 aus dem Cockpit einer
F-15 Eagle