Behörden sprechen von über 100 Toten
28. August 2008
Es war ein möglicher Anschlussflug der Lufthansa, der im
Flammeninferno endete. Eine Spanair-Maschine schoss in Madrid über die
Startbahn hinaus und zerschellte. Die Angaben zu den Opferzahlen schwanken
zwischen 45 und 150. Auch Deutsche könnten an Bord gewesen sein.
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Beim Flugzeugunglück auf dem Madrider Flughafen kamen mindestens 100
Menschen ums Leben, 25 seien verletzt worden, berichteten die spanischen
Gesundheitsbehörden am Mittwoch. Rettungskräfte sprachen von annähernd 150
Toten. „Sie bergen verkohlte Leichen“, hieß es. Nach früheren Angaben der
Behörden war die Opferzahl niedriger. Mindestens 45 Menschen seien demnach
ums Leben gekommen. 44 Insassen der Unglücksmaschine seien zudem verletzt.
An Bord der Maschine waren 173 Menschen, darunter neun Besatzungsmitglieder.
Der Flughafen Madrid-Barajas wurde geschlossen. Maschine ging in Flammen
auf
Die auch im Auftrag der deutschen Lufthansa fliegende
Spanair-Maschine
schoss um 14.45 Uhr auf dem Weg nach Las Palmas auf Gran Canaria über die
Startbahn hinaus, zerschellte und ging in Flammen auf. Zuvor war
Medienberichten zufolge ein Startversuch wegen technischer Probleme
abgebrochen worden.
Laut einem Sprecher des Rettungsdienstes versuchte die Maschine nur kurz
nach dem Abheben eine Notlandung. Nach Angaben des Flughafenbetreibers Aena
herrschte auf dem Flughafen Höchstalarm. Im Fernsehen war eine dichte
Rauchwolke über dem Gelände zu sehen. Elf Löschfahrzeuge waren im Einsatz.
Offenbar Lufthansa-Passagiere an Bord
Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte auf Anfrage in Berlin, dass die
deutsche Botschaft in Madrid eingeschaltet sei. Die Botschaft bemühe sich um
Aufklärung, ob Deutsche in der Maschine gewesen seien. Ein
Lufthansa-Sprecher sagte, bei dem Flug von Madrid habe es sich im Rahmen der
Star Alliance um einen möglichen Anschlussflug nach Las Palmas auch für
Lufthansa-Passagiere gehandelt.
Ob tatsächlich aber Lufthansa-Passagiere davon Gebrauch gemacht haben und an
Bord waren, könne er derzeit noch nicht sagen. Die Flugnummer für
Lufthansa-Passagiere lautete demnach LH 2554. Spanair ist Spaniens
zweitgrößte Fluggesellschaft nach Iberia.
Die Fluggesellschaft Spanair hat unter der Telefonnummer 0034 800 400 200
eine Hotline für Angehörige eingerichtet. Die Krankenhäuser in Madrid wurden
sofort nach dem Unfall aufgefordert, Betten zur Verfügung zu stellen. Einige
Hospitäler entließen daraufhin Patienten mit leichteren Erkrankungen, um
Platz zu schaffen. Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodriguez
Zapatero unterbrach seinen Urlaub und flog nach Madrid zurück.
Flugzeug war 20 Jahre alt
Die Fluggesellschaft Spanair befindet sich seit geraumer Zeit in schweren
wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die skandinavische Muttergesellschaft SAS
hatte vergeblich versucht, einen Käufer für das kränkelnde Unternehmen zu
finden. Zur Zeit ist Spanair dabei, fast ein Drittel ihrer Beschäftigten zu
entlassen und das Streckennetz zu reduzieren. Das am Mittwoch verunglückte
Flugzeug war nach Medienberichten 20 Jahre alt.
Am Madrider Flughafen hatte es zuletzt vor knapp 25 Jahren zwei schwere
Flugzeugkatastrophen gegeben. Ein Jumbo-Jet der kolumbianischen Linie
Avianca war beim Landeanflug abgestürzt, 181 Menschen starben. Weniger als
zwei Wochen später prallten auf der Startbahn des Airports eine Iberia- und
eine Aviaco-Maschine im Nebel zusammen. 93 Menschen kamen ums Leben.
Letzter Funkspruch vor dem Crash
Kurz bevor das Flugzeug in Madrid auseinanderbrach, meldete sich der
Pilot noch einmal – sein Funkspruch zeugt von Verwirrung über ein Warnlicht.
„Es ist ein Licht angegangen, aber ich weiß nicht, was es bedeutet“,
sagte der Pilot nach Angaben von britischen Medien. Auch Passagiere hatten
von einem roten Licht berichtet, das im Cockpit geleuchtet haben soll.
Am 28. August wäre das Flugtauglichkeitszertifikat der 15 Jahre alten
Maschine abgelaufen, berichtete die „Bild“-Zeitung. So aber durfte das
Flugzeug noch ohne erneute Überprüfung starten.
Die Maschine des Typs MD-82 war
beim Start über die
Rollbahn hinausgeschossen und in Flammen aufgegangen.
Nur 18 der 172 Insassen überlebten das schlimmste Flugzeugunglück in Spanien
seit einem Vierteljahrhundert. An Bord waren auch 22 Kinder, von denen nach
bisherigen Angaben nur drei überlebten. Eine vierköpfige Familie aus Bayern
kam bei dem Unglück um.